Zuchtvorbereitung in der Schauwellensittich Zucht 

 
In den letzten Jahren hört man vielfach von Problemen in der Schauwellensittich Zucht.
Dies hat mich motiviert meine Erfahrungen in einem Bericht weiter zu geben.
 
Das Jungtiersterben sowie Renner Probleme sind wohl nicht zu unterschätzende Einschnitte in unser Zucht-Management.
Da in unserer Zucht seit zwei Jahren so gut wie keine Renner mehr aufgetreten sind, und ich bis heute kein Jungtiersterben in der Zucht hatte, möchte ich meine Erfahrungen gerne weitergeben.
 
1. Belüftung des Zuchtraumes
Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die Frischluftzufuhr in unseren Zuchträumen. Früher hatte ich im Zuchtraum keine Belüftung, da ich das als nicht notwendig anschaute.
Seit dem Einbau eines Lüfters der auf die Zuchtraumgrösse abgestimmt ist, war ich vom Ergebnis überwältigt. Der Lüfter muss im Drehmoment verstellbar sein, so kann man auch in der kalten Jahreszeit eine Luftumwälzung ohne grossen Energieverlust gut einstellen.
Vorteile
-          Erfrischende und saubere Luft
-          Weniger Staub in der Anlage
 
2. Einkäufe von Zuchttieren
Der Faktor von Fremdtieren im Bestand wird vielfach unterschätzt. Schon seit Jahren weiss man, dass jeder Zuchtbestand seinen eigenen Bakterienstamm hat.
Es ist wichtig sich schon im Frühjahr Gedanken zu machen, was man für die folgende Zuchtsaison für Einkreuzungsvögel braucht. Gut zwei Monate vor Zuchtbeginn sollte kein Fremdvogel mehr in die Anlage eingebracht werden. Die Zeit von zwei Monaten reicht für die Durchseuchung der eigenen und fremden Vögel.
Vorteile
-          ausgeglichener Bakterienstamm
-          eingewöhnte Fremdvögel
 
3. Hygiene im Zuchtraum
Eines der wichtigsten Regeln in jeder Tierzucht, ist die Hygiene in der Anlage. Flüge sollten jede Woche gereinigt werden, und Zuchtboxen im Abstand von zwei Wochen.
Desinfektion der Anlage oder Gerätschaften. Es ist wichtig zu wissen, dass eine Desinfektion nur etwas bewirkt, wenn vorgängig gereinigt wurde!
Im Abstand von vier Wochen wasche ich die Voliere nass, und wische alles trocken. Danach wird desinfiziert. Die Sitzstangen, Fressnäpfe und Trinkröhrchen müssen mindestens alle zwei Wochen gereinigt werden. Hier arbeite ich zur Desinfektion nur mit heissem Wasser.
Für die Trinkröhrchen habe ich ein zweites Set, damit ich diese gut austrocknen lassen kann.
Vorteile
-          Eindämmung von Pilzen und Bakterien
-          Weniger Staub in der Anlage
 
 
4. Fütterung
Grundvoraussetzung für ein gesundes Lebewesen, ist seine Ernährung. Sauberes Futter muss gewährleistet sein. Keimfutter sollte niemals ohne Zusatzstoffe zur Dämmung von Pilzen in Wasser eingelegt werden. Futterreste von Keimfutter und Eifutter täglich entfernen. Vor allem ist in der warmen Jahreszeit grundsätzlich bei jeglichem Grünfutter mit hohem Wasseranteil Vorsicht geboten.

Die Keimvermehrung auf Grünfutter ist sehr gefährlich, und kann giftige Toxine bilden.
Auch täglich frisches Wasser sollte ein normaler Aufwand sein. Auf 14 Tage gebe ich einmal Apfelessig ins Trinkwasser. Zur Vorbeugung gegen Kropfentzündungen gebe ich jeweils an zwei Tagen in der Woche ein Taubensirup bestehend aus Ringelblume und Bartflechte hinzu.
Vorteile
-          Eindämmung von Pilzen
-          Vorbeugung gegen Infektionen
 
5. Zusatzstoffe
Da der Schauwellensittich sich in den Jahren in Körper und Feder verändert hat, kann er durch die normale Grundversorgung nicht mehr ausreichend mit Vitaminen, Spurenelementen und Aminosäuren versorgt werden.
Wer solche Beigaben vernachlässigt, wird auch schlechte Erfahrungen in der Zucht machen. Wie stark sich das Küken im Ei entwickeln kann, ist davon abhängig was ihm die Mutter mitgeben konnte.
Vorteil
-          Optimale Versorgung der Küken im Ei
-          Optimale Versorgung des Organismus und der Feder
 
6. Kuren
Ich verwende vor der Zuchtsaison ein Kombi Präparat gegen Trichonomaden, Kokzidien und Kropfschleimhautenzündung. Danach wird der ganze Bestand über eine Woche mit einem probiotischen Produkt aufgebaut. Eine gesunde Darmflora ist für den Organismus von entscheidender Bedeutung.
Vorteil
-          Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten
-          Maximale Verwertung der Nahrung
 
7. Ansetzen der Paare
Vor dem Ansetzen in der Ruhephase, werden kränkelnde Vögel ausgesondert. Vögel die nicht wirklich fit aussehen, sind vielfach Träger von Krankheiten.
Die Vögel werden auch im Vorfeld auf Zuchtleistung (Fruchtbarkeit, Aufzuchtvermögen) selektiert.
Anfang Saison setze ich die Paare ca. 10 Tage vor dem Start in die Boxen. Dadurch haben Sie die Möglichkeit, sich an die neue Umgebung anzupassen. Ich kann in dieser Zeit auch sehr gut Beobachten ob sich die Paare vertragen und Harmonie entsteht.
Die Zuchtvögel sollten in guter Kondition sein, und vor allem die Henne sollte sehr kräftig am Leib sein.
Vorteil
-          Es werden nur gesunde Vögel in die Zucht eingesetzt
-          Beobachtung der Paare bevor der Nistkasten angehängt wird.
 
Dies sind für mich die entscheidenden 7 Faktoren die eine Zucht stark beeinflussen. Wer sich dies zu Gemüte führt, wird in der kommenden Saison das Risiko stark minimiert haben.
Ich empfehle auch die Zucht während mindestens drei Monaten zu unterbrechen. Entspannung braucht nicht nur der Mensch, sondern auch unserer Tiere. In dieser Zeit können wir unsere Anlagen wieder auf Vordermann bringen, und haben Zeit uns Gedanken über die Zukunft der Zucht zu machen.
 
08.04.2010 Armin Giger